Nach meiner Schulzeit, einer Lehre zum Elektroinstallateur und dem Wehrdienst machte ich im Jahr 2000 mein damaliges Hobby – das Tüfteln an Computern und Netzwerken – durch eine Weiterbildung zum Beruf. Wie am Fließband begann ich, Server zu installieren, PCs zu vernetzen, Internetverbindungen herzustellen, E-Mails in die Welt zu schicken und Aufgaben zu automatisieren – in der Vorstellung, dass wir Menschen eines Tages, wenn es genug Maschinen und Automatisierung gibt, ein angenehmes und erfülltes Leben führen können.
Nach gut zehn Jahren in der IT-Branche erkannte ich, dass sich meine Tätigkeiten im Kern ständig wiederholten, vieles immer komplizierter wurde, es keinen echten Fortschritt an Menschlichkeit gab und sich mein Arbeitsleben zunehmend wie ein Hamsterrad anfühlte. Überlegungen zu Geld, Recht, Schule und Massenmedien mündeten schließlich in einer Depression.
Es begann eine jahrelange Sinnsuche. Im Herbst 2020 bekam ich als Dank für die Lösung eines IT-Problems einen Gutschein für eine Wellnessmassage. Körperliche Schmerzen kannte ich kaum und hatte mich daher nie mit dem Thema Massage beschäftigt. Aus reiner Neugier löste ich den Gutschein ein – und war erstaunt, wie sehr sich mein Befinden nach der Massage verbessert hatte. Nach sechs Monaten Corona- Abstand erahnte ich plötzlich, wie wichtig Berührung wirklich ist. Gleichzeitig wurde mir bewusst, dass ich den Großteil meiner Lebenszeit vor Maschinen verbrachte, auf Bildschirme starrte und kaum noch echten Kontakt mit Menschen oder der Natur hatte – und das störte mich zunehmend.
Um Abstand zu gewinnen, zog ich mich mit meinem Wohnmobil auf einen kleinen Hof mit Gemüsegarten zurück. Dort hatte ich Zeit zum Lesen, Nachdenken und Spüren. Was mir fehlte, konnte ich damals noch nicht in Worte fassen. Doch der Begriff Tantramassage machte mich neugierig – so sehr, dass ich mich im Herbst 2021 zu meiner ersten Tantramassage anmeldete (meine zweite Massage überhaupt). Schon bald entstand in mir der Wunsch, diese Kunst der Berührung selbst zu erlernen.
Glücklicherweise stieß ich auf das Institut jembatan.de, (https://jembatan.de/) das mir eine Brücke in die Welt der Bewusstseinsarbeit eröffnete. Dort absolvierte ich die fünf Seminare zur Ausbildung als Tantramasseur nach TMV. In den Folgejahren war ich immer wieder im Institut – um die Tao-Massage zu erlernen, Fortbildungen zu besuchen, bei Seminaren zu helfen und zu assistieren oder einfach, um auf dem schönen Gelände mitzuarbeiten.
Obwohl ich mich nicht als guten Sprecher sehe, wagte ich es, Audioanleitungen zur Tao- und Tantramassage zu produzieren, um Anfängern das Üben zu erleichtern. Ich organisierte mehrere Jahre lang Gruppentreffen für Tantramassage, konnte so regelmäßig im rituellen Rahmen massieren, meine Erfahrung vertiefen und meine Scheu überwinden, vor Gruppen zu sprechen.
Seit ich regelmäßig massiere und selbst massiert werde, hat sich vieles in meinem Leben verändert: Ich bin genügsamer geworden, habe weniger Konsumbedürfnisse, brauche weniger Geld und bin insgesamt zufriedener. Das vereinfacht mein Leben, reduziert meinen Ressourcenverbrauch – und ist für mich eine kleine Form von Friedensarbeit. Ich bin feinfühliger geworden, habe meine Scham abgebaut und kann körperliche Empfindungen intensiver und länger genießen. Auch das Sprechen über Gefühle und Sexualität fällt mir heute deutlich leichter.
Nach Tao- und Tantramassage kam eine weitere Facette hinzu: Ich begann eine Ausbildung in Lomi Lomi bei Josef Lissel. Die Verbindung zur hawaiianischen Kultur, die tiefe Achtung vor dem Leben und der Gedanke, dass Heilung durch liebevolle Präsenz geschieht, haben mich berührt. Die fließende Lebendigkeit der Lomi Lomi bildet für mich einen schönen Gegenpol zur meditativen Langsamkeit der Tao-Massage. Beide Berührungsformen ergänzen sich und vertieften mein Verständnis von Körperarbeit.
Im Jahr 2025 gründete ich gemeinsam mit meiner Lebensgefährtin unsere Praxis Glücksmacherei in Murnau. Unsere Lebenswege, geprägt von Bruch und Neuanfang, haben uns gelehrt, wie wichtig Berührung, Verbindung und innere Orientierung sind. In der Glücksmacherei geben wir genau das weiter – auf unsere jeweils eigene Weise.
Der Name Glücksmacherei entstand dabei nicht als Versprechen, Glück herstellen zu können – sondern als Einladung, sich in Verbindung mit dem eigenen Körper, den inneren Ressourcen und durch achtsame Berührung auf den Weg zu machen. Für uns ist der Name Ausdruck einer Haltung, die Raum lässt für Einfachheit, Würde, Heilung – und Freude.